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Die Chronoswiss-Metamorphose

Chronoswiss ReSec Green Monster (zum Vergrößern anklicken!)
Chronoswiss ReSec Green Monster
© Chronoswiss

Ich gebe offen zu: Nachdem Gerd-Rüdiger Lang die von ihm gegründete und zum Erfolg geführte Marke Chronoswiss verkauft hatte, hatte ich um die Stände von Chronoswiss, etwa bei der MunichTime, einen großen Bogen gemacht. Den Wechsel hatte ich irgendwie persönlich genommen, war ich doch immer ein großer Bewunderer der Arbeit Langs gewesen, hatte ihn in seinem damaligen Firmensitz in Karlsfeld besucht, auch auf der BaselWorld, zu der ich von seiner Mitarbeiterin eingeladen worden, und nachdem ich den Lunar Chronographen sowohl für das Cover meines Buches Das Zeitgefühl-Uhrenbuch als auch als Logo dieser und der englischen Wiki-Seite verwendet hatte, fühlte ich mich also quasi familiär mit der Marke und ihrem Stil verbunden.

Das hat mich wohl ziemlich starr und traditionalistisch gemacht: Ich klebte an meinem eigenen einbetonierten Bild der Marke. So wollte ich die neuen Uhren der Marke, seitdem sie ihren Sitz in Luzern hatte und damit erst den vollen Bedeutungsinhalt ihres Markennamens realisiert hatte, erst gar nicht näher betrachten, weil sie die „reine Lehre“ von Lang, nämlich Uhren im Stil des 19. Jahrhunderts und im Stil der schönsten und wertigsten Taschenuhren zu fertigen, „verraten“ hatten.

Heute kommt mir das engstirnig und voreingenommen vor. Viele Marken haben Metamorphosen vollzogen, viele Modelle sind futuristisch; man denke nur an Ulysse Nardin mit ihrer Freak, oder an die vielen „verrückten“ Modellvarianten einer ehemals eher konventionellen Marke wie Hublot. Zwar treffen nicht alle aktuellen Modelle von Chronoswiss meinen Geschmack, aber ich muß den Verantwortlichen der Marke Mut und Risikobereitschaft attestieren. Einfach nur noch klassische Uhren, etwa im Stil der 1990er Jahre, zu produzieren und zu vermarkten, wäre viel zu schmalspurig, und da die Welt der Uhren in ständigem Wandel begriffen ist und immer wieder neue Ideen und Impulse braucht, ist es der richtige Weg, solchen Mut zu beweisen und nach vorne zu schauen.

Chronoswiss Strike Two Nugget (zum Vergrößern anklicken!)
Chronoswiss Strike Two Nugget
© Chronoswiss

Entscheidend war bei der Metamorphose von Chronoswiss, sich von Langs Stil zu lösen, mehrere seiner charakteristischen Kennzeichen (man nennt das, seine „DNA“) dennoch beizubehalten und auf kreative Weise neu einzubringen – wie etwa Guillochierung, Zwiebelkrone, Regulator und weitere dezentrale Zifferblattdesigns. Und sie durch die Umstellung auf Manufakturwerke zu ergänzen. (Das war etwas, wogegen sich Lang praktisch die gesamte Zeit seiner Karriere gesträubt hatte – die ETA-Werke wären seiner Überzeugung nach als Basis seiner Uhren völlig ausreichend, da technisch und funktional den Ansprüchen voll entsprechend.) Inzwischen bilden jedoch Manufakturwerke eine fast schon unverzichtbare Komponente bei der Entwicklung und Vermarktung von Uhren der Luxusklasse.

Was die heutigen Chronoswiss-Verantwortlichen auch richtig machen: Sie produzieren unterschiedliche Modelle in streng limitierter Anzahl. Etliche der Reihen sind bereits ausverkauft – das steigert wiederum den Wert, auch als Sammler-Stücke.

Chronoswiss Tourbillon Psycho (zum Vergrößern anklicken!)
Chronoswiss Tourbillon Psycho
© Chronoswiss

Es ist faszinierend, wie die Marke ab ca. 2017 begonnen hat, sich von dem wohl zuerst als schier übermächtig empfundenen Lang-Stil hin zu einer eigenen Stilsprache zu emanzipieren. Man kann dies beobachten an den Linien Flying Grand Regulator Skeleton (2017) und Open Gear (2018): zuerst mit zunehmend auffällig kontrastierenden Farben auf den Flächen, dann mit gänzlich neuartigen Effekten, die durch farbige Guilloche-Muster hervorgerufen werden; ab Reihe ReSec (2018) sowohl mit grelleren Farben als auch mit im Farbton changierenden Guillochierungen.

Nicht zu vergessen die neuen Manufaktur-Automatikwerke der Serie C.6000 (seit 2023), mit denen sich die Marke auch in diesem Bereich endgültig auf eigene Füße gestellt hat.

Die neue Delphis von 2023 revolutioniert das Ambiente des Urmodells komplett: von klassisch-seriös zu provokant-abgefahren, nochmals souverän verstärkt bei dem neueren Delphis Firestarter (2024).

Nach und nach werden dann auch die Gehäuseformen einer Umgestaltung unterworfen, siehe Modelle wie Pulse One (2025).

All das bedeutet, zielstrebig und mutig neue Richtungen einzuschlagen. Das Publikum zieht offenbar mit, wie Webkommentare und die ausverkauften Serien beweisen.

Die 314 besten und wichtigsten Uhrenmarken

Franck Muller Komplizierteste Armbanduhr (zum Vergrößern anklicken!)
Franck Muller Komplizierteste Armbanduhr
© Franck Muller

Die ZEITGEFÜHL-Auswahl der besten Marken ist zu Ihrer Orientierungshilfe nach Uhrenqualität und Markenrenommee geordnet (von oben nach unten) — was natürlich immer nur subjektiv, aber deshalb noch lange nicht ohne Aussagekraft ist.

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Die 20 Top-Uhrenmodelle

Rolex Oyster Perpetual Datejust 36 (zum Vergrößern anklicken!)
Rolex Oyster Perpetual Datejust 36
© Rolex

Die ZEITGEFÜHL-Auswahl der besten und berühmtesten Uhrenmodelle der Uhrengeschichte.

Die 20 Top-Uhrenmodelle

magazin/die_chronoswiss-metamorphose.txt · Zuletzt geändert: von gerdlothar

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